Klaus Teuber
1995 erfand er das Spiel "Die Siedler von Catan" und landete damit einen Welterfolg
Herr Teuber, sind Sie selbst der beste Catan-Spieler - oder werden Sie auchmal geschlagen?
Ich bin gewiss nicht der beste. Bei einer Catan-Weltmeisterschaft musste ich einmal gegen die drei Finalisten antreten. Ich spiele mehr aus dem Bauch heraus, manche folgen aber ausgeklügelten Strategien. Am Ende bin ich Dritter von vieren geworden.
Eine Insel namens Catan, die man als Brettspieler besiedeln muss - wie kamen Sie auf die Idee?
Zu Beginn einer Spielentwicklung habe ich den Wunsch, eine Geschichte spielerisch zu erleben. Im Falle "Catans" regten die Seereisen der Wikinger meine Fantasie an, und ich fragte mich: Wie war das, als sie damals Island entdeckten?
"Catan" gilt mit 40 Millionen Verkäufen als das zweiterfolgreichste Brettspiel der Welt nach Monopoly. Sie sind jetzt 70. Spricht alles für den Ruhestand, oder?
Ich habe die Leitung der Spielentwicklung unser Firma Catan GmbH meinen beiden Söhnen übertragen. Aber meine Kreativität auszuleben ist weiterhin mein Lebenselixier. So entwickle ich noch immer Erweiterungen in der Catan-Welt und spiele auch gern. Außerdem schreibe ich gerade an einer Trilogie: Darin geht es um das Schicksal der ersten Siedler von Catan. Der erste Band erscheint im Herbst.
Bisher stand Ihr Name auf Spieleboxen. Werden Sie auf der Straße angesprochen?
Nie, darüber bin ich auch froh. Spieleautoren werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Als ich anfing Spiele für mich und meine Familie zu entwickeln, wusste ich selbst nicht, dass es diesen Beruf gibt. Ich dachte, Verlage entwickeln die.
Wie kamen Sie dazu? Sie arbeiteten damals eigentlich als Zahntechniker im elterlichen Betrieb.
Das war eine Zeit in meinem Leben, in der ich sehr kämpfen musste: Das Dentallabor meines Vaters war im großen finanziellen Schwierigkeiten. Dann wurde er auch noch krank. Spiele zu entwickeln wurde mein Refugium. Als die Er1öse von den ersten Spielen kamen, hat das meine Familie gerettet. Der Erfolg von Catan hat mich finanziell unabhängig gemacht.
Auch reich?
Als Reichtum würde ich für mich selbst eher die vielen schönen Erlebnisse bezeichnen, die mir das Spiel beschert hat. Beeindruckt war ich von einer Catan-WM. Da spielten und lachten Menschen verfeindeter Nationen wie Libanon und Israel miteinander. Auch die Zuschriften sind schön: Mir hat einmal ein Junge geschrieben, der Probleme hatte, sich in Gruppen zu integrieren. Durch Catan hat er es geschafft, Zugang zu einem Freundeskreis zu finden.
Heute daddeln viele nur noch am Handy, sogar Catan gilbt es für den Computer. Sterben Brettspiele aus?
Das wurde ich schon vor 20 Jahren gefragt und es gibt sie immer noch. Allein vorm Computer zu sitzen ersetzt keinen Spieleabend. Beim Brettspielen beschäftigt man sich miteinander. Kinder lernen, auch mal zurückzustecken. Auf der anderen Seite: Eltern müssen sich an dieselben Regeln halten wie sie. Man löst gemeinsam Probleme. Das stärkt die Gemeinschaft.
Was braucht ein guter Spieleentwickler?
Vor allem Leidenschaft und Geduld. Manche Verlage bekommen täglich bis zu zehn Spieleentwürfe zugeschickt, da muss alles stimmen: der Prototyp optisch ansprechend, die Regeln verständlich und lückenlos. Am besten testet man das Spiel vorher mit Freunden. Wer nur einen Zettel mit losen Ideen chickt, hat keine Chance.
Interview Klaus Teuber - Stern 7-7-2022 (Duits)
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